Was wir tun
Früh. Körperorientiert. Vordiagnostisch.
Belastende Erfahrungen gehören zum Leben. Die meisten Kinder und Erwachsenen erholen sich davon, oft ohne fremde Hilfe. Manche brauchen Unterstützung, und viele brauchen sie, lange bevor jemand eine Diagnose stellen könnte. Hier setzen wir an.
Wir fragen nicht zuerst, was mit einem Menschen nicht stimmt, sondern was er gerade erlebt und was er braucht. Im Mittelpunkt steht nicht das Reden über das Geschehene, sondern das Erleben im Hier und Jetzt: Bewegung, Körperwahrnehmung, künstlerisches Gestalten und eine Beziehung, die Sicherheit gibt. Ziel ist, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene wieder zu Ruhe, Orientierung und eigenen nächsten Schritten finden.



Schnell ansprechbar
Wer sich meldet, bekommt in der Regel kurzfristig einen Termin. Bei Kindern und Jugendlichen beginnt es mit einem Vorgespräch mit Eltern, Schule oder Kita: Anliegen klären, Vorgehen abstimmen, Umfang festlegen. Danach arbeiten wir mit dem Kind selbst, oft über etwa zwölf Termine, ergänzt durch Gespräche mit Eltern und Fachkräften.
Im Erstkontakt klären wir den Anlass, ob eine akute Gefährdung besteht und ob wir die richtige Stelle sind. Das weitere Vorgehen beraten wir mit den Betroffenen und im Team.
Was nach belastenden Erlebnissen hilft
Nach einem erschütternden Ereignis geraten oft Schlaf, Stimmung, Konzentration und Beziehungen aus dem Takt. Das ist zunächst eine normale Reaktion. Ob sie abklingt oder sich verfestigt, hängt von vielem ab: vom Ereignis selbst, von früheren Erfahrungen, vom Körper und vom Umfeld.
Auf drei Dinge hat das Umfeld Einfluss: Sicherheit, Beziehung und Zeit. Ein tragendes soziales Netz gilt nach der aktuellen Leitlinie als der wahrscheinlich stärkste Schutz vor einer Traumafolgestörung. Deshalb beziehen wir Eltern, Bezugspersonen und Fachkräfte von Anfang an ein.

Kunst – traumasensibel
Gestalten schafft Ausdruck, wo Worte nicht greifen. Farbe, Form, Linie und Bewegung öffnen einen sicheren Zugang zu Orientierung und innerem Abstand. In der Gruppe kommt etwas hinzu: gemeinsames Tun, geteilter Rhythmus, Zugehörigkeit.

Somatic Experiencing® – Sicherheit im Körper erfahren
Somatic Experiencing (SE) wurde von Peter A. Levine entwickelt. Es arbeitet mit dem, was unmittelbar erlebbar ist: Atmung, Haltung, kleine Bewegungsimpulse. Schritt für Schritt, ohne das Geschehene aufzurollen, wird wieder Zugang zu Ruhe und Klarheit möglich. Ziel ist Stabilität und Handlungsfähigkeit im Alltag. Bei uns arbeiten zertifizierte SE-Practitioner.

SOMA Embodiment® – Regulation durch Beziehung und Rhythmus
SOMA Embodiment nach Sonia Gomes stellt Beziehung, Rhythmus und Kontakt in die Mitte. Viele Kinder und Erwachsene finden darüber Entlastung, weil Tempo und Nähe regulierbar werden. Koregulation, also Halt durch einen anderen Menschen, ist hier der Weg zur Selbstregulation.

Traumapädagogik
Verstehen, was Stress und Überforderung im Inneren auslösen.
In der Traumapädagogik schaffen wir Sicherheit, Orientierung und Beziehung. Kinder und Jugendliche erleben: Kinder und Jugendliche erfahren: Ich bin nicht das, was mir passiert ist. Und ich kann lernen, anders zu antworten.

Heilpädagogik
Wahrnehmen, fördern, in Beziehung treten.
Heilpädagogik heißt, den Menschen in seiner Einzigartigkeit zu sehen und Entwicklungsräume zu öffnen, in denen Selbstvertrauen und innere Ordnung wachsen können.
Oft werden Lernen und Entwicklung erst möglich, wenn ein Kind stabil genug ist.

Erlebnispädagogik
Erleben heißt: sich selbst spüren.
In der Erlebnispädagogik werden Bewegung, Natur und soziale Erfahrung zu Lernfeldern für Vertrauen, Mut und Gemeinschaft. Wer sich ausprobiert, wächst – innerlich wie äußerlich.
Dazu gehören auch tiergestützte Angebote mit Lama, Kamel und Pferd.
Wir stehen für
Wir leisten nicht
Wann zuerst eine andere Stelle gefragt ist
Was ist ein Trauma?
Wir unterscheiden vier Dinge, die im Alltag oft vermischt werden:
Belastende Lebenserfahrungen wie Verlust, Trennung, Krankheit oder Überforderung.
Potenziell traumatische Ereignisse, also Erfahrungen von Lebensgefahr, schwerer Verletzung oder Gewalt.
Reaktionen auf solche Ereignisse. Sie sind individuell und häufig vorübergehend.
Traumafolgestörungen wie die Posttraumatische Belastungsstörung. Sie sind klinisch bedeutsam und gehören in ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.
Traumatische Reaktionen sind normale Reaktionen auf außergewöhnliche Ereignisse. Sie können nach außen gehen, als Unruhe, Wut, Kampf oder Flucht. Oder nach innen, als Rückzug, Erstarrung und das Gefühl, nicht mehr bei sich zu sein. Häufig bemerken Eltern, Lehrkräfte oder Erzieherinnen diese Veränderungen zuerst, ohne sie gleich einordnen zu können.
Die meisten Kinder erholen sich. Nach einem traumatischen Ereignis entwickelt etwa jedes sechste Kind eine Posttraumatische Belastungsstörung, nach Gewalt durch andere Menschen deutlich mehr. Die ersten Monate sind dabei besonders bedeutsam: In dieser Zeit klingt bei vielen Kindern die Belastung von selbst ab.
Peter A. Levine, der Begründer von Somatic Experiencing, beschreibt, wann aus einer Reaktion ein Trauma wird: Eine Bedrohung setzt im Körper eine Schutzreaktion in Gang. Kann sie nicht zu Ende gebracht werden, bleibt die Aktivierung im Körper gebunden. Das ist ein Erklärungsmodell, kein empirisch gesicherter Befund. Es begründet, warum wir am Körper ansetzen.
„Trauma gehört zum Leben. Es muss aber kein lebenslanges Urteil sein.“
(sinngemäß nach Peter A. Levine, 1997)
Diese Haltung prägt unsere Arbeit: früh stabilisieren, ohne zu pathologisieren, und Entwicklung wieder möglich machen.

So arbeiten wir
Der Schlüssel liegt für uns in der Begegnung von Mensch zu Mensch. Wir gehen davon aus, dass ein Mensch sich fortwährend verändert und im Werden ist. Eine überwältigende Erfahrung kann diesen Prozess ins Stocken bringen.
Begleitung verläuft bei uns in Schwerpunkten, nicht nach starrem Plan. Zuerst kommen Ankommen, Sicherheit und ein verlässlicher Rahmen, dann Beziehung. Die körperorientierte Arbeit folgt behutsam den Ressourcen, nicht dem Wiedererleben. Das Verstehen und Einordnen kommt im Verlauf hinzu. Am Ende steht der Übergang: zurück in den Alltag oder in eine weitere Hilfe. Welcher Schritt wann trägt, entscheidet sich an der Antwort des einzelnen Menschen.
Wir verbinden pädagogische Zugänge mit Somatic Experiencing und SOMA Embodiment. Im Vordergrund stehen Beziehung, Sicherheit, Rhythmus, Bewegung und künstlerisches Tun wie Malen oder Theaterspiel. So kann zum Ausdruck kommen, wofür die Worte fehlen. Dazu kommen tiergestützte Angebote mit Lama, Kamel und Pferd.
Uns ist wichtig, nicht nur Belastbarkeit zu stärken, sondern auch Feinfühligkeit und Empathie. Wo beides im Gleichgewicht ist, kann ein Mensch wieder wachsen, erlebt sich als wirksam und kann Verantwortung für sich übernehmen.
Die ersten Monate nach einem belastenden Ereignis sind besonders bedeutsam. Deshalb setzen wir früh an. Ob frühe Begleitung verhindert, dass sich Belastung verfestigt, ist für diesen Bereich noch nicht untersucht. Wir halten es aus unserer Praxis für wahrscheinlich und dokumentieren unsere Arbeit, um es zu prüfen.
Wir bieten keine Psychotherapie an, arbeiten aber auch parallel dazu. Wir geben keine Medikamente. Wir sprechen natürlich miteinander, aber es geht weniger um das Erzählen des Geschehenen als darum, sich wieder verbunden zu erleben, mit sich und mit anderen. Zu unserem Team gehört eine Kollegin, die auch Ukrainisch und Russisch spricht; für andere Sprachen arbeiten wir mit Dolmetscherinnen und Dolmetschern.
Was die Forschung sagt
Die aktuellen Leitlinien stützen den frühen Einbezug von Eltern und Bezugspersonen. Die einzige dort empfohlene Frühintervention für Kinder arbeitet in wenigen Sitzungen mit Kind und Bezugsperson und senkte in einer Studie die Rate späterer Traumafolgestörungen deutlich. Diese Bausteine übernehmen wir: den Einbezug der Bezugspersonen, die Verständigung zwischen Kind und Erwachsenen und die Koregulation als Weg zur Selbstregulation.
Zu Somatic Experiencing ist die Studienlage schmal; Übersichtsarbeiten sprechen von vorläufiger Evidenz. Für Kinder und Jugendliche fehlen kontrollierte Studien. Wir setzen SE deshalb nicht zur Behandlung einer Posttraumatischen Belastungsstörung ein, sondern zur Stabilisierung und begleitend. Mit einer eigenen, standardisierten Dokumentation wollen wir zur Datenlage beitragen.
Trotzdem sprechen wir natürlich miteinander. Zu unserem Team gehört eine Kollegin, die neben Deutsch auch Ukrainisch und Russisch spricht. Für andere Sprachen arbeiten wir, wenn erforderlich, mit Muttersprachlern zusammen.

Kontakt:
Stephan Weber | E-Mail: weber@nfp-muc.org | Tel: 0151 59009037

Anschluss an weitere Hilfen
Unsere Arbeit soll anschlussfähig sein. Wir arbeiten mit Ämtern, Schulen und Kitas zusammen und helfen beim Austausch mit ihnen. Wenn nötig, stellen wir den Kontakt zu Ärztinnen, Ärzten und Psychotherapeuten her, zur Traumaambulanz nach dem Sozialen Entschädigungsrecht oder zu Kanzleien, etwa für Familienrecht.
Fachlich gestützt wird unsere Arbeit durch eine Kooperation mit Dr. Michael Krüger, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, für Psychosomatische Medizin sowie für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie. Er supervidiert das Team, prüft mit, ob die Arbeit fachlich angemessen ist, und berät, wann weitere Hilfen hinzukommen sollten.
Wir bekommen Zuweisungen von Menschen, die in einer akuten seelischen Krise sind, aber keine Klinik brauchen. Die Einschätzung einer akuten Gefährdung bleibt beim Krisendienst; danach können wir ambulant stabilisieren und begleiten.

Psychoedukation für Eltern und Pädagogen
Reaktionen auf Überforderung verstehen: als normale Antwort auf ein außergewöhnliches Ereignis. Teilnehmende lernen die Grundbegriffe der Psychotraumatologie kennen, vom belastenden Ereignis bis zur Traumafolgestörung, und bekommen notfallpädagogische Handgriffe für den Alltag.

Gesund im Beruf für Lehrkräfte
Lehrkräfte verbringen einen wachsenden Teil ihrer Zeit damit, Krisen im Klassenzimmer aufzufangen. Wer dabei selbst an Grenzen kommt, kann schlecht Halt geben. In einem aufbauenden Workshop geht es um beides: Kinder in Belastung besser zu lesen und die eigene Stabilität zu erhalten.

Fortbildungen für Institutionen
Flucht und Trauma sind in vielen Berufen Alltag geworden. In einem dreistündigen Training geben wir eine Einführung in die körperlichen und seelischen Auswirkungen überwältigender Erfahrungen und zeigen, wie Fachkräfte in akuten Situationen sich selbst und andere stabilisieren können. Die Leitlinie zur Posttraumatischen Belastungsstörung empfiehlt, Einrichtungen in diesem Sinne zu schulen.
„Wenn ich komme, bin ich immer aufgewühlt. Wenn ich gehe, bin ich wieder ganz zur Ruhe gekommen.“
Mariem, Schülerin



